Barghauser See

1

Barghauser See aus der Luft
Foto Stadt Wilhelmshaven, Untere Naturschutzbehörde

Natürlich entstandene Seen fehlen in der Marschlandschaft. Alle größeren Binnengewässer bei uns an der Küste sind durch Aktivitäten des Menschen entstanden. Gräbt man in der Marsch ein Loch, so füllt es sich schnell mit Grundwasser, das hier nur wenige Dezimeter unter der Bodenoberfläche steht. Südwestlich der Ortschaft Fedderwarden wurde Anfang der 1980er Jahre Sand für den Bau der L810 entnommen. Zurück blieb ein Baggersee, der 20m tief ist und eine Wasserfläche von 14 Hektar hat. 

Der Barghauser See ist mit den umgebenen Bäumen, Sträuchern und Schilfflächen Teil eines Landschaftsschutzgebietes, das aus vier Teilflächen besteht: Die „Maade“ (ca. 177,9 ha), „Fort Rüstersiel“ (ca. 35,9 ha), „Großes Fedderwarder Tief / Kirchspieltief“ (ca. 13,5 ha) sowie „Barghauser See“ (ca. 31,3 ha). 

Auf dem Foto sieht man den See und im Vordergrund einen breiten „Graben“. Es ist das Fließgewässer Großes Fedderwarder Tief / Kirchspieltief, das in die Maade mündet. Es ist Teil des Landschaftsschutzgebietes und ist besonders als Flugkorridor und Jagdgebiet für Fledermäuse wie die Teichfledermaus wichtig. Der Eisvogel brütet hier. Das Tief ist auch Lebensraum für Fische z.B. Bitterling, Europäischen Schlammpeitzger und Europäischen Aal. An Muscheln kommt die Gemeine Teichmuschel vor. 

Der Barghauser See selbst hat eine Vielfalt an naturnahen Strukturen: Insel, Halbinseln, Buchten, Steil- und Flachufern, Abbruchkanten, Flachwasserzonen und Verlandungsbereichen. Der angrenzende Uferbereich hat sich zu einem strukturreichen Gehölzsaum entwickelt. Damit bieten der See und das umgebende Land einer Vielzahl von Arten einen Lebensraum. 

Eine besondere Bedeutung hat der Barghauser See für die Vogelwelt. Die Ökologische Station Jade (ÖSJA) hat ein Brutfloß für Flussseeschwalben ausgebracht.

Flussseeschwalbe am Barghauser See
Foto Maria Röbbelen

Das Brutfloß wird auch von anderen Arten angenommen.

Abb unten rechts sieht man ein Gelege mit sieben Eiern, es stammt von den Nilgänsen, die oben im Bild zu sehen sind.
Foto Stadt Wilhlemshaven, Untere Naturschutzbehörde

Nilgans

Auf eine Insel, die beim Ausbaggern der Fläche stehen gelassen wurde, hat sich eine Lachmöwenkolonie angesiedelt. Auch Flussseeschwalben, manchmal auch Nilgans, Höckerschwan und Schwarzkopfmöwe brüten hier.

Abb. Lachmöwenkolonie auf der Insel
Foto. Stadt Wilhelmshaven Untere Naturschutzbehörde

Zu den Brutvögeln zählen auch Stockenten, Haubentaucher und Reiherenten.

Haubentauchern mit Jungen auf dem Rücken

Reiherentenpärchen, im Hintergrund Stockentenerpel

Im Herbst 2025 konnten wir Kormorane, Graugänse, Nilgänse und Kanadagänse entdecken.
Foto Jörg Schwanke

Es lohnt sich sehr, den Barghauser See zur Zugzeit im Frühjahr und Herbst aufzusuchen und mit dem Fernglas nach Vögeln zu gucken. Viele Arten nutzen den See zum Rasten auf ihrem Zug in die Winter- bzw- Brutgebiete. Hier sind einige Beispiele, welche Arten am Barghauser See entdeckt werden können:

Zwergtaucher

Tafelente

Pfeifente

Krickente

Knäckente

Löffelente

Mittelsäger

Gänsesäger
Fotos Brigitte Hüttenmeister

Brandgänse
Foto Maria Röbbelen

Wintergäste

Auch in den Wintermonaten ist der Barghauser See bei vielen Vögeln beliebt. Grau-, Bläss- und Kanadagänse kann man auch auf umliegenden Wiesen bei der Nahrungssuche beobachten. Kormorane ruhen gerne in den Bäumen auf der Halbinsel, manchmal sind sie hier gemeinsam mit Silberreihern.

Blässgänse
Foto Brigitte Hüttenmeister

Silberreiher
Foto Brigitte Hüttenmeister

Kormoran
Foto Imke Zwoch

Wer im Frühjahr meint, im Schilf würde ein Schwein angstvoll quieken, hat eine Wasserralle entdeckt. Die Wasserralle ist sehr scheu und so bekommt man sie nur selten zu Gesicht.

Das Schilf ist auch Lebensraum für Teich- und Schilfrohrsänger.

Schilfrohrsänger
Foto Peter Prokosch

Der Eisvogel benötigt die steilen Abbruchkanten, in denen er seine Bruthöhlen bauen kann. Weiden, die ihre Äste über die Wasserfläche ragen lassen, sind ein willkommener Ansitz, um nach kleinen Fischchen Ausschau zu halten. Der Barghauser See ist deshalb ein guter Lebensraum für diesen bunt schillernden Jäger. Der Eisvogel ist in Deutschland streng geschützt.

Eisvogel
Foto Imke Zwoch

Spazierweg

Der Barghauser See hat keinen Rundweg aber vom Parkplatz am Accumer Weg aus kann man einen schönen Spaziergang bis zur ehemaligen Badestelle machen.

Spazierweg am Barghauser See
Foto Jörg Schwanke

Auf der gegenüberliegenden Seite des Großen Fedderwarder Tiefs /Kirchspieltiefs hat man zunächst Blick auf Grünlandflächen, dann grenzt ein Golfplatz an das Gewässer.

Der Weg führt an Weidegebüschen am Rand des Sees vorbei. Es gibt mehrere offene Stellen, von denen aus man einen Blick auf den See hat.

Blick auf den See und das Brutfloß für Flussseeschwalben

Unterschiedlich alte Bäume können sich hier ungestört entwickeln.
Foto Jörg Schwanke

Kurz bevor der Weg nach links abbiegt, kommt man in ein Wäldchen. 

Das Wäldchen reicht bis ans Wasser
Foto Jörg Schwanke

Spechthöhle
Foto Jörg Schwanke

Umgefallene Bäume und stehendes Totholz bieten Spechten und Pilzen Lebensraum.

Pilze
Fotos Jörg Schwanke

Schilfgürtel und Gehölze am Ufer des Sees.
Foto Jörg Schwanke

Der Weg endet an die ehemalige Badestelle, von der aus man Blick auf den See und auf den Schilfgürtel hat. Es ist eine gute Stelle, um Vögel zu beobachten.

Wildtierkamera
Foto Jörg Schwanke

Die Kamera hat es verraten: Dachs, Iltis, Baummarder, Steinmarder, Mauswiesel und Marderhund leben am Barghauser See. Auch Rehe, Fuchs, Nutria, Bisam und Ratten wurden beobachtet.

Der Marderhund ist, wie der Name sagt, mit unseren Haushunden verwandt. Ursprünglich ist diese Art in Asien beheimatet. In der ehemaligen Sowjetunion hat man 1929 und 1955 insgesamt 9.100 Marderhunde ausgesetzt. Seitdem hat sich die Art nach Westen ausgebreitet und ist in fast ganz Europa zu finden. Da der Marderhund nachtaktiv ist, besteht nur eine geringe Chance, ihn zu beobachten. Unter der Bezeichnung Seefuchs, Tanukt und Finnraccoon wird sein Fell vermarktet

Marderhund
Foto Bru-nO