Kurpark

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Wer Ende des 19. Jahrhundert bei der Marine nach Wilhelmshaven versetzt wurde, war meist wenig begeistert: Sie fanden Dörfer, Landwirtschaft, kaum städtisches Leben und eine strukturarme, flache Marschlandschaft vor. Ein Park sollte, nach Vorstellung von Kaiser Wilhelm, den Marineoffizieren und ihren Angehörigen den Aufenthalt in der „unwirtlichen Gegend“ angenehmer gestalten. 

Geschwungene Wege, fließende Übergänge beim Wechsel von offenen und mit Gehölzen bestandenen Flächen, Teiche mit natürlich wirkenden Uferlinien und Inseln sollten den Offizieren den Aufenthalt an der Küste verschönern. Das „gemeine Volk“ hatte keinen Zugang. Mit den genannten Gestaltungselementen versuchten die Planer ab 1871, die Wirkung freier Landschaften nachzuempfinden. 1925 wurde der Park von der Stadt Wilhelmshaven übernommen und erhielt den Namen „Kurpark“. Jetzt war er auch für die zivile Bevölkerung zugänglich.

Wie in der Natur findet man hier geschwungene Uferlinien.

Wiesen wechseln sich mit Waldflächen ab

Inzwischen hat sich der Kurpark zu einem Naturschatz entwickelt, in dem zahlreiche Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum gefunden haben. In den letzten Jahren ist man dazu übergegangen, abgestorbene Bäume – so genanntes Totholz – im Park stehen und liegen zu lassen. Es ist ein wertvoller Lebensraum für Vögel, Insekten und Pilze. 

Zahlreiche Bäume und Sträucher geben besonders dem östlichen Bereich des Kurparks einen Waldcharakter. 

Wiesen

Im Kurpark gibt es Rasenflächen, die alle drei Wochen gemäht werden. Man findet sie im östlichen Teil vor der Rehaklinik, um den Musikpavillon, am Eingang Mozartstraße und um die Bänke und Rosenbeete westlich des Schwanenteiches. Im Nordwesten des Parks werden die Grünflächen nur viermal im Jahr gemäht, im Südwesten sogar nur einmal jährlich. Kurz gehaltene Rasenflächen mögen manchen Spaziergänger erfreuen, der Pflanzen- und Tierwelt haben sie nur wenig zu bieten. Wiesen, auf denen Pflanzen zum Blühen kommen, bieten Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten Nahrung. Viele Vögel und Fledermäuse ernähren sich von diesen Insekten. Da es viele Pflanzenarten nicht überleben, in kurzen Abständen gemäht zu werden, sind Wiesen artenreicher als Rasenflächen. So können hier im Kurpark manche Arten überleben, die in landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen selten geworden sind. 

Das Wiesenschaumkraut ist ein Beispiel dafür. Starke Entwässerung, häufige Mahd und Düngung machen intensiv genutzte Wiesen für diese Pflanze als Lebensraum unbrauchbar. Das betrifft dann auch eine Schmetterlingsart: Der Aurorafalter braucht das Wiesenschaumkraut nicht nur, um Nektar zu trinken, sondern auch als Nahrungspflanze für den Nachwuchs. Findet dieser hübsche Schmetterling weder Wiesenschaumkraut noch Knoblauchrauke (oder einige wenige, verwandte Kreuzblütler), kann er seine Eier nicht ablegen.

Wiesenschaumkraut und Aurorafalter
Foto Frank Röbbelen

Teiche

Im Kurpark gibt es zwei Teiche: Den Ententeich im Osten nahe der Gökerstraße und den Schwanenteich gegenüber der Musikmuschel am Eingang Hindenburgtor. Beide Gewässer sind in keinem besonders guten ökologischen Zustand. Das Laub der Bäume aber auch zu viel Brot, das aus falsch verstandener Tierliebe gefüttert wird, hat zu einer Überdüngung des Wassers geführt. 

Füttern verboten!

Mit gutem Grund ist es verboten, im Kurpark Enten oder andere Vögel zu füttern. Mit der Fütterung trägt man zur Überdüngung der Teiche bei. Futter, das die Vögel nicht aufnehmen, sinkt auf den Gewässergrund und verfault dort. Dieser Abbau verbraucht Sauerstoff, so dass es irgendwann zu Sauerstoffmangel im Teich kommt. Fische und andere Lebewesen, die im Wasser vorkommen, ersticken jämmerlich. Den Menschen fällt dann ein unangenehmer Geruch auf. Noch ein zweites Problem entsteht durch Fütterung: Das Futter lockt mehr Vögel an die Gewässer, als dort natürlicherweise vorkommen würden. Das erhöht die Gefahr von Seuchen, die sich hier dann schnell ausbreiten können. Deshalb unsere Bitte: Nehmen Sie nur das Brot mit, das sie selbst essen wollen und füttern Sie die Vögel nicht. Und werfen sie keine Lebensmittel in die Abfallbehälter.

Der Kurpark bietet den Vögeln genügend natürliche Nahrung, Abfälle sind nicht gesund.
Foto Maria Röbbelen

Springbrunnen erfreuen nicht nur Besucher, sondern versorgen auch das Wasser mit lebenswichtigem Sauerstoff

Früher waren die Teiche mit Schilf bewachsen. Das bot Fischen Futter und Versteck. Auch Vögel nutzten diesen Lebensraum. Die Rhizome der Schilfpflanzen (das sind wurzelähnliche Sprosse in der Erde) befestigten das Ufer auf natürliche Weise. Gleichzeitig versorgen sie die Teiche mit Sauerstoff und tragen zur Reinigung des Wassers bei. 1953 wurde der „Ententeich“ gereinigt und dabei der Schilfgürtel beseitigt. Die nun verstärkt auftretenden Uferabbrüche wurden 1977 durch Uferbefestigung mit Bongossiholz Einhalt geboten. Zweifellos ist dieses Holz sehr widerstandskräftig und hält im Wasser lange. Damals war man noch nicht darauf sensibilisiert, dass man durch dessen Kauf zur Vernichtung tropischer Regenwälder beiträgt. An vielen Stellen ist das Ufer mit Steinplatten und Rasengittersteinen befestigt. Das schränkt die Gewässer in ihrer ökologischen Bedeutung zusätzlich ein. 

Früher waren die Teiche mit Schilf bewachsen. Das bot Fischen Futter und Versteck. Auch Vögel nutzten diesen Lebensraum. Die Rhizome der Schilfpflanzen (das sind wurzelähnliche Sprosse in der Erde) befestigten das Ufer auf natürliche Weise. Gleichzeitig versorgen sie die Teiche mit Sauerstoff und tragen zur Reinigung des Wassers bei. 1953 wurde der „Ententeich“ gereinigt und dabei der Schilfgürtel beseitigt. Die nun verstärkt auftretenden Uferabbrüche wurden 1977 durch Uferbefestigung mit Bongossiholz Einhalt geboten. Zweifellos ist dieses Holz sehr widerstandskräftig und hält im Wasser lange. Damals war man noch nicht darauf sensibilisiert, dass man durch dessen Kauf zur Vernichtung tropischer Regenwälder beiträgt. An vielen Stellen ist das Ufer mit Steinplatten und Rasengittersteinen befestigt. Das schränkt die Gewässer in ihrer ökologischen Bedeutung zusätzlich ein. 

Im Südwesten des Schwanenteiches hat sich Pestwurz angesiedelt. Die lilafarbenen Korbblütenstände erscheinen noch vor den Blättern und sind im zeitigen Frühjahr zu sehen. Im Sommer fallen dagegen die großen, herzförmigen Blätter auf, die an Rhabarber erinnern. In der Bronzezeit sollen sie als „Toilettenpapier“ gedient haben. Ihren Namen hat die Pflanze daher, dass man im Mittelalter glaubte, man könne die Pest damit heilen. Heute wird diese Heilpflanze gegen Krämpfe bei Magen-, Gallen- oder Nierenkoliken verwendet. Die Blätter wirken schleimlösend, schwach harntreibend und wundheilend. Es gibt auch ein Medikament gegen Migräne mit Pestwurzelextrakt. An ihren natürlichen Standorten an Flussläufen wird die Pestwurz häufig durch eingewanderte Pflanzen verdrängt. Japanisches Springkraut und Kanadische Goldrute nehmen immer häufiger ihren Standort ein.

Beide Teiche werden nicht nur durch Regenwasser, sondern auch durch das sauerstofffreie Wasser des Friesenbrunnen gespeist. Dieser Brunnen ist 231 Meter tief. Das Besondere daran ist, dass das Wasser von selbst an die Oberfläche sprudelt. Das Grundwasser befindet sich in einer Senke, so dass es durch das teilweise höher liegende Wasser unter Druck steht. Wird es angebohrt, treibt dieser Druck das Wasser an die Oberfläche. Der Friesenbrunnen wurde 1929/30 gebaut. Ursprünglich war er mit einer Figur verziert und trug die Aufschrift „frisch und klar, rein und wahr“. 

Friesenbrunnen Die Verfärbungen entstehen durch Ausfällungen von Eisenoxid, sobald das Wasser an die Oberfläche kommt.
Foto M. Röbbelen

Der Friesenbrunnen wurde von dem Wilhelmshavener Bildhauer Klaus Rieger gestaltet. Er ist auch der Urheber von „Grete und Hein“, zwei Steinfiguren, die am Ententeich stehen. „Grete“ verschwand während des Zweiten Weltkrieges in einer Bombennacht 1944. Der „verwitwete“ Hein bekam 1953 mit „Anne“ eine neue Frau. Kurze Zeit später fand man „Grete“ im Ententeich wieder: Sie war fast nicht beschädigt und erhielt ihren ursprünglichen Platz zurück. „Anne“ fand einen neuen Platz im Stadtpark.

Hein und Grete
Fotos
Maria Röbbelen

Wasserturm

An der Bismarckstraße im östlichen Teil des Kurparks steht ein Wasserturm. Er wurde Jahr 1908 – 1911 erbaut. Der Wasserturm ist immer noch im Betrieb. Im Innern befinden sich zwei Tanks von 1.200 und 800 Kubikmetern Fassungsvermögen. Diese 2.000 Kubikmetern Wasser werden von dem Wasserwerk Feldhausen hier her gepumpt. Von dem Turm läuft das Wasser nur durch sein Eigengewicht, die Schwerkraft, angetrieben in die Leitungen der Wilhelmshavener Haushalte. Durch die Höhe des Turmes von 42 Metern wird ein gleichmäßiger Druck erzeugt. Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an das Prinzip der kommunizierenden Röhren aus dem Physikunterricht in der Schule, das hier praktische Anwendung findet. Es beschreibt, dass Flüssigkeiten in untereinander verbundene Röhren überall dem gleichen Druck ausgesetzt sind. Auch wenn es heute Pumpen gibt, die gleichmäßigen Druck erzeugen können, ist die Nutzung eines Wasserturmes nach wie vor eine einfache und energiesparende Methode, um das Wasser zu verteilen. 

Wasserturm im Kurpark
Foto Maria Röbbelen

An dem Wasserturm sind Nistkästen für Turmfalken und Mauersegler und flache Kästen als Sommerquartiere für Fledermäuse angebracht. 

Frühjahrsblüher

Im zeitigen Frühjahr, wenn die Bäume noch kahl sind, findet man im Kurpark viele Frühjahrsblüher. Bis die Laubbäume ihre Blätter entfaltet haben, sind die Kräuter am Boden längst verblüht und haben ihre Blätter eingezogen

Kahle Bäume lassen viel Licht an den Waldboden.
Foto Maria Röbbelen

Unter den voll entwickelten Blättern der Laubbäume ist es im Sommer recht dunkel.
Foto Maria Röbbelen

Buschwindröschen sind typische Waldbodenbewohner. Sie bilden im März, April weiße Blütenteppiche. Nur wenige Wochen dauert es, bis die Samen reif sind und Ameisen sie in der Umgebung verstreuen. Diese kleinen Insekten sind nur an der nahrhaften Hülle der Nüsschen interessiert und lassen die Samen an anderer Stelle fallen.

Buschwindröschen bilden weiße Teppiche.

Wenn die Früchte reif sind, ist es schon Frühsommer und das Licht wird knapp unter den nun belaubten Bäumen. Das Buschwindröschen wirft seine Blätter ab und wartet auf das nächste Frühjahr.

Das Scharbockskraut wurde früher gegen Skorbut, Vitamin-C-Mangel, genommen. Bevor die Pflanze blüht, kann man die zarten Blätter ernten und mit Quark oder im Salat essen. Später im Jahr enthält die Pflanze einen giftigen Inhaltsstoff, der zu Schleimhautreizungen führt.
Obwohl die Pflanze von Insekten besucht wird, vermehrt sie sich auch vegetativ mit Wurzelknollen. 

Frühlingsscharbockskraut

Das Lungenkraut wurde früher als Heilpflanze gegen Lungenkraut verwendet. Hildegard von Bingen nannte die Pflanze deshalb Lungwurz.

Lungenkraut 

Zitronenfalter nutzen den Nektar des Lerchensporns. Sein Rüssel ist dafür lang genug. Hummeln dagegen haben einen kurzen Rüssel, sie beißen den Sporn auf, um an den süßen Saft zu gelangen. Noch für einen anderen  Schmetterling ist der Lerchensporn interessant: Der Schwarze Apollofalter legt seine Eier auf ihm ab, denn die Raupen haben ihn zum Fressen gern.

Finger-Lerchensporn

Bärlauch ist als Küchenkraut wieder entdeckt worden. Wer das Kraut sammeln will, muss sich gut auskennen: Die Blätter haben Ähnlichkeit mit zwei hochgiftigen Pflanzen, die auch im Kurpark vorkommen: Maiglöckchen und Herbstzeitlose. Es kommt fast jedes Jahr im Bundesgebiet zu Todesfällen durch Verwechslung der Arten. Sein knoblauchartiger Geruch zeichnet den Bärlauch gegenüber den giftigen Pflanzen aus.

Bärlauch

Bärlauch-Blüte

Vögel

Die abwechslungsreiche Struktur des Kurparks bietet vielen Vogelarten einen geeigneten Lebensraum. Zwischen 2022 – 2024 konnten regelmäßig 59 verschiedene Vogelarten nachgewiesen werden. Bei 30 Arten gelang ein Brutnachweis, weiter 16 Arten waren zur Brutzeit im Park. Möglicherweise haben von ihnen auch Vögel im Park gebrütet, oder sie waren Nahrungsgäste der umgebenden Siedlungsstrukturen. Dazu kommen Durchzügler, die im Winter und zur Zugzeit hier beobachtet werden können. Rechnet man Einzelbeobachtungen dazu, kommt der Kurpark auf 100 unterschiedliche Vogelarten.

Einige Vogelarten sollen hier vorgestellt werden. (wenn man auf die Kacheln clickt, kommt man in der App auf den entsprechenden Text.)

Brutvögel und Gastvögel im Kurpark:

  1. Alexandersittich
  2. Amsel
  3. Austernfischer
  4. Blaumeise
  5. Buchfink
  6. Buntspecht
  7. Dohle
  8. Eichelhäher
  9. Elster
  10. Eisvogel
  11. Erlenzeisig
  12. Felsentaube
  13. Fitis
  14. Gartenbaumläufer
  15. Gartengrasmücke
  16. Gelbspötter
  17. Gimpel (=Dompfaff)
  18. Grauschnäpper
  19. Graureiher
  20. Grünfink
  21. Bergfink
  22. Grünspecht
  23. Hausrotschwanz
  24. Heckenbraunelle
  25. Heringsmöwe
  26. Kernbeißer
  27. Kleiber
  28. Kohlmeise
  29. Kormoran
  30. Lachmöwe
  31. Mandarinente
  32. Mauersegler
  33. Mäusebussard (Brutverdacht)
  34. Mehlschwalbe
  35. Mittelspecht
  36. Mönchsgrasmücke
  37. Nilgans
  38. Rabenkrähe
  39. Rauchschwalbe
  40. Reiherente
  41. Ringeltaube
  42. Rotkehlchen
  43. Saatkrähe
  44. Schwanzmeise
  45. Silbermöwe
  46. Singdrossel
  47. Sommergoldhähnchen
  48. Wintergoldhähnchen
  49. Sperber
  50. Star
  51. Stieglitz
  52. Stockente
  53. Teichhuhn
  54. Wachholderdrossel
  55. Rotdrossel
  56. Hausrotschwanz
  57. Waldkauz
  58. Zaunkönig
  59. Zilpzalp