Lebensräume

Sandmagerrasen

Der lehmige Marschboden, der in Wilhelmshaven vorherrscht, ist durch seine Entstehung aus Meeresablagerungen nährstoffreich, kalkhaltig und in der Regel recht feucht. Diese Eigenschaften haben den Marschbauern in früheren Jahrhunderten Reichtum beschert.

Anders sieht es in der Umgebung der Badestelle von Klein Wangerooge aus: Sandiger Boden kann weder Wasser noch Nährstoffe gut speichern. Hier haben sich ganz andere Pflanzen ansiedeln können, als auf Marschböden zu finden sind. Dadurch hat sich ein interessanter und wertvoller Lebensraum entwickelt: Sandmagerrasen. An typischen Pflanzen kann man ihn erkennen:

Bei Klein Wangerooge hat sich ein Sand-Magerrasen entwickelt, ein Lebensraum, der gefährdet und deshalb gesetzlich geschützt ist.

Nelken-Haferschmiele und Frühe Haferschmiele

Die Nelken-Haferschmiele ist ein zartes Gras von 5 bis 20 cm Höhe. Nah verwandt mit ihr ist die Frühe Haferschmiele, die nur 15 cm groß wird. Beide kommen an besonnten, warmen Standorten auf trockenem Boden vor und zeigen stickstoffärmste Standorte an.

Die Nelken-Haferschmiele (Aira caryophyllea) hat lockere Rispen, die weit ausgebreitet sind.
Foto Katharina Dietrich

Die Rispen der Frühen Haferschmiele (Aira praecox) sind eng zusammengezogen.
Foto Katharina Dietrich

Sandsegge

Leicht zu erkennen ist dieses Sauergras daran, dass in regelmäßigen Abständen Pflanzen aus dem Boden kommen. Mit ihren meterlangen Ausläufern kann die Pflanze offene Sandflächen schnell erobern. Wegen der regelmäßigen Abstände der einzelnen Pflanzen wird diese Segge auch Nähmaschinen-Segge genannt.

Der Sand von Klein Wangerooge wird immer mal wieder beim Spielen oder Spazierengehen freigelegt. Hier können Pionierarten wie die Sandsegge ihren Lebensraum immer wieder neu erobern.

Sandsegge Carex arenaria
Foto Maria Röbbelen

Hasen-Klee

Der Hasen-Klee bevorzugt sandige und kalkarme Standorte.

Hasen-Klee Trifolium arvense
Foto Maria Röbbelen

Kleiner Vogelfuß Ornithopus perpusillus

Dieser Hülsenfrüchtler hat seinen Namen vom Fruchtstand, der an einen Vogelfuß erinnert.

Kleiner Vogelfuß Ornithopus perpusillus mit Blüte und Fruchthülsen
(Fotos Katharina Dietrich, Maria Röbbelen)

Kleiner Sauerampfer

Auch der kleine Sauerampfer ist typisch für Sandtrockenrasen, kommt aber auch häufig in anderen Biotopen vor.

Der rötliche Blütenstand gehört zum Kleinen Sauerampfer

Magerrasen sind selten geworden. In der Roten Liste der gefährdeten Biotope (=Lebensräume) ist der Sandtrockenrasen, um den es sich hier handelt, als stark gefährdet eingestuft. Auch das Bundesnaturschutzgesetz schützt diesen Lebensraum ausdrücklich. Es verbietet grundsätzlich eine Zerstörung oder Beeinträchtigung. Die aktuelle Freizeitnutzung mit Spaziergängen und einem gelegentlichen Sonnenbad stellt kein ernsthaftes Problem für diesen Lebensraum dar. Problematischer ist es, wenn Hunde mitgeführt werden, denn Urin und Kot bedeuten Nährstoffe, die den vorkommenden Arten schaden. Würde hier dagegen ein Campingplatz eingerichtet, würde dies unweigerlich zur Zerstörung dieses Naturschatzes führen.

Brombeeren aber auch Weiden und andere Gehölze drohen den Sandmagerrasen zu überwuchern. Deshalb engagieren sich die Wilhelmshavener Naturschutzverbände seit vielen Jahren und drängen die Brombeeren in mühsamer Handarbeit durch Ausgraben der Pflanzen zurück. 

2018

2025

Lebensraum für Wildbienen und Käfer

Viele hoch spezialisierte Insektenarten sind auf offene Sandflächen angewiesen, da sie ihre Brutröhren im lockeren Boden anlegen.

Eine Vielzahl kleiner Sandhäufchen im Gebiet weist auf das reiche Leben in diesem Boden hin.

Beispiele für dort vorkommende Insektenarten:

Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius)

Sie gräbt tiefe Sandröhren, in denen sie Brutzellen anlegt. Jede Zelle wird mit Pollen (vor allem von Weiden) ausgestattet, sodass die Larven eine sichere Nahrungsquelle haben und im Frühjahr schlüpfen.

Frühlingsseidenbiene
Foto Iris Woltmann

Riesenblutbiene

Wo die Frühlings-Seidenbiene vorkommt, ist die Riesen-Blutbiene meist nicht weit. Sie legt ihr Ei in den Nahrungsvorrat, den die Frühlings-Seidenbiene für ihren eigenen Nachwuchs angelegt hat. Vorher frisst sie das Seidenbienenei auf. So spart sie sich wie ein Kuckuck die Mühe, selbst für den Nachwuchs zu sorgen.

Riesen-Blutbiene
Foto Michael Hillmann

Dünensandlaufkäfer (Cicindela hybrida)

Der Dünensandlaufkäfer ist gerade mal 1,1 bis 1,6 cm groß. Sowohl der Käfer als auch sein Nachwuchs ernähren sich von Insekten. Als erwachsenes Tier jagt er im rasanten Lauf über den offenen Sand. Gelingt es einem Insekt nicht, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, wird es mit den im Verhältnis zum Kopf gewaltigen Oberkiefern gepackt und verspeist. Seine Larven leben in senkrechten Röhren. Als Lauerjäger warten sie auf Beutetiere, bis diese in Reichweite kommen.

Dünen-Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida) auf den Sandtrockenrasenflächen in Klein Wangerooge
Foto Iris Woltmann

Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)

Die Blauflügelige Ödlandschrecke, die ihre leuchtend blauen Hinterflügel nur beim Auffliegen zeigt, legt ihre Eier in kleine Sandgruben und ist auf vegetationsarme Stellen zur Wärmeaufnahme angewiesen.

Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)
Foto: Katharina Dietrich