Voslapper Groden

Was von außen wie ein unspektakuläres Gebüsch aussieht, birgt ein hochkarätiges Naturschutzgebiet, das als Europäisches Vogelschutzgebiet anerkannt ist und zum Schutzgebietsnetz Natura 2000 gehört. 

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Voslapper Groden
Nord

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Voslapper Groden
Süd

Blick auf den Voslapper Groden

In den Jahren 1971 bis 1973 wurden nördlich von Voslapp und östlich von Sengwarden eine Fläche von 15 Quadratkilometern eingedeicht. Eigentlich wollten die Stadtväter Flächen für Industrie schaffen, aber dafür bestand durch mangelndes Wirtschaftswachstum, Ölkrise und hoher Inflation kein Bedarf. Man nutzte die eingedeichte Fläche, um Baggergut aus der Jade abzulagern und ließ die Fläche ansonsten ruhen. Nicht einmal Spaziergänger durften das Gebiet betreten. Für die Natur war es das Beste, was passieren konnte, denn viele seltene Arten sind sehr störungsanfällig. Im Laufe von über 50 Jahren hat sich hier ein wahrer Naturschatz entwickelt. 

Eine Vielfalt von Biotopen bieten einer unglaublichen Fülle von Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum:

  • über 140 Vogelarten, 
  • 38 Libellenarten, 
  • 79 Laufkäferarten, 
  • 298 Nachtfalterarten, 
  • 18 Heuschreckenarten, 
  • 11 Fledermausarten, 
  • 23 weiteren Säugetierarten 
  • 45 geschützten Pflanzenarten 
  • Außerdem leben hier Reptilien und Amphibien. 

Ein so wertvolles Naturgebiet ist extrem selten und muss unbedingt auch weiter geschützt werden.

Wertvolle Lebensräume im Voslapper Groden:

Dadurch, dass sich die Natur auf den aufgespülten Sandflächen fast unbeeinflusst und ohne menschliche Störungen entfalten konnte, haben sich hier Lebensräume entwickelt, die in der genutzten Landschaft kaum noch vorkommen. Zum großen Teil sind es Biotope der Küstendünen und nassen Dünentäler wie sie auf den Nordseeinseln vorkommen. In feuchten Bereichen finden naturnahe Gewässer und ausgedehnte Sumpfflächen. 86 % der Fläche Voslapper Groden Nord besteht aus gefährdeten Biotopen. 35% der Fläche ist nach §30 Bundesnaturschutzgesetz ausdrücklich geschützt. 

Bei Kartierungen konnte 92 verschiedene Biotoptypen festgestellt werden. Auf trockenen, sandigen Flächen haben sich Pflanzen angesiedelt, die man sonst fast nur in den Dünen der Ostfriesischen Inseln finden kann. 69% der Fläche nehmen Biotope der Meeresküsten ein. Tümpel, Schilfgürtel und Seggenriede bieten Feuchtigkeit liebenden Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. Voslapper Groden Süd hat die gleiche Entstehungsgeschichte und ist genauso wertvoll. Im Voslapper Groden kommen seltene und gefährdete Pflanzenarten vor:

Etwas ganz Besonderes ist das Schneiden-Röhricht. Es ist ein selten gewordener Lebensraumtyp, dessen Schutz in der Europäischen Union Priorität hat.

Binsen-Schneide Blüte

Schneiden-Röhricht
Fotos Katharina Dietrich

Bunter Schachtelhalm (Equisetum variegatum) – vom Aussterben bedroht, (Rote Liste Kategorie e)

Dünen-Wintergrün (Pyrola rotundifolia ssp. maritima gefährdet (Rote Liste Kategorie 3)

Der Sumpf-Stendelwurz ist eine Orchidee
Foto Katharina Dietrich

Das Vorkommen der Armleuchteralge Chara contraria ist eine Sensation, denn sie galt in Niedersachsen bereits als ausgestorben.

Vögel

Wo wertvolle Lebensräume entstehen, sind Vögel nicht weit. Bei Kartierungen konnten über 140 Vogelarten festgestellt werden. 55 Arten davon sind Brutvögel oder es besteht Brutverdacht. Sechs weitere Arten kamen zur Brutzeit im Gebiet vor. Von diesen zusammen 61 Arten stehen 26 Vogelarten auf der deutschen oder niedersächsischen Roten Liste:

  • Hochgradig gefährdet sind die Bekassine und die Knäkente (RL-Status 1).
  • 14 Arten sind gefährdete bzw. stark gefährdete (RL-Status 2 und 3) wie z.B. Feldlerche, Feldschwirl, Kiebitz, Krickente, Tüpfelsumpfhuhn und Wasserralle. 
  • Der Kranich wurde in der niedersächsischen Roten Liste 2015 noch als „Ausgestorben oder verschollen“ eingestuft.

Hier ein kleiner Eindruck von der Vielfalt der Vogelwelt:

Bartmeise

Teichhuhn

Blaukehlchen

Turmfalke

Kiebitzregenpfeifer

Schafstelze

Kernbeißer

Wiesenpieper

Sandregenpfeifer

Buntspecht

Krickente

Blässgans

Rotdrossel

Eichelhäher

Säbelschnäbler

Rohrammer

Stieglitz

Bergfink

Rotschenkel

Knäckente

Drosselrohrsänger

Grauschnäpper

Kuckuck

Schwarzkehlchen

Goldregenpfeifer

Schnatterente

Rohrdommel

Eisvogel

Kiebitz

Geht es nach den Vorstellungen der Stadt Wilhelmshaven, wird dieser Naturschatz einem Industriegebiet weichen. Naturschützer und viele Wilhelmshavener Einwohner hoffen, das noch verhindern zu können.