Radtour – Tour 1

Länge: 7,7 km
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Hessenser Marsch, Wurten, Gedenkstätte Konzentrationslager Alter Banter  See, Fledermausbunker Schaarreihe 4, Neuender Kirche, Rückweg über Lautsallee

Die erste Tour startet an der Hessenser Marsch (siehe dort). Der Hessenser Weg führt nach Süden. Auf der rechten Seite liegt dann die Hessenser Marsch, auf der linken Seite ein großes Schilfgebiet. Hier kann man im Frühjahr unter anderem Rohrammer und Teichrohrsänger hören.

Wurten

Solange es noch keine geschlossene Deichlinie an der Küste und entlang der Maade gab, mussten sich die Bewohner auf dem heutigen Stadtgebiet von Wilhelmshaven vor Sturmfluten schützen, indem sie ihre Häuser auf kleine Hügel bauten. Diese „Wurten“, auch Warf oder Wierde genannt, sind künstlich aufgeschüttete Erdhügel.

In Wilhelmshaven gibt es zahlreiche Wurten. Einzelwurten im Stadtpark und die Dorfwurt Breddewarden sind Beispiele dafür. Der Hessenser Weg führt östlich am Naturschatz Hessens vorbei. Folgt man dieser Straße nach Süden, sieht man rechts (Richtung Westen) eine Wurt auf der Wiese. Hier hat früher ein einzelnes Gehöft gestanden.

„Hügel“ in der Marsch sind immer künstlich aufgehäuft und dienten dem Schutz vor Fluten

Die Kleingärten befinden sich auf einer mittelalterlichen Dorfwurt, die Wurt Hessens

Am Kanal hinter der Bahnlinie befindet sich der Eingang zu einer Kleingartenanlage. Sie liegt auf einer Wurt. Hier befand sich im Mittelalter ein Dorf. In den Jahren 1939, 1949 – 1951 und 1962/63 fand auf einer Fläche von 1.000 Quadratmetern eine Ausgrabung statt. Bis auf drei Metern unter der Grasnarbe wurde Schicht für Schicht abgetragen. Dabei fand man nicht nur die Grundrisse von Bauernhäusern, sondern auch gut erhaltene Stoffe von grober bis feinster Qualität.

Diesen Ärmel fanden Wissenschaftler bei einer Ausgrabung der Wurt Hessens

Gedenkstätte Konzentrationslager Alter Banter Weg

Östlich der Wurt Hessens führt der Alte Banter Weg nach Norden. Ein Schild weist auf die Gedenkstätte hin. Vom 17. September 1944 bis zum 18.April 1945 befand sich hier ein Konzentrationslager. Es war eine Außenstelle des KZs Neuengamme bei Hamburg. Insassen waren vor allem Kriegsgefangene, aber auch Juden. Die Inhaftierten mussten nach Bombenangriffen die Trümmer wegräumen. Das war eine harte und gefährliche Arbeit. In den sieben Monaten, in denen dies KZ bestand, kamen 234 Menschen ums Leben, darunter 124 Franzosen, 32 Russen und 25 Juden.

Gedenkstätte des Konzentrationslagers Wilhelmshaven

Neuender Kirche

Kirchen waren früher das Zentrum des sozialen Lebens. Weite Fußwege nahmen die Menschen auf sich, um ins Gotteshaus zu kommen. „Kirchreihe“ war einer dieser Wege, eine Lindenallee an der ehemaligen Neuender Schule ein anderer.

Fledermausbunker

Diese Lindenallee führt auf dem Weg zur Kirche an einem alten Bunker vorbei

Naturschützer haben in diesem Bunker Fledermäuse im Winterschlaf entdeckt. Um diese seltenen Tiere zu schützen, haben sie den Bunker von Müll befreit und für die Fledermäuse hergerichtet.

Fledermäuse brauchen für ihren Winterschlaf feuchte, frostfreie Quartiere, in denen sie die insektenfreie Zeit überstehen können. In Lochsteinen an der Decke finden die Tiere Unterschlupf.

Naturschützer schaffen Schlafplätze für Fledermäuse.

Diese Lochsteine werden gerne angenommen. Das hat den Vorteil, dass die Fledermäuse dadurch im Winter leichter gezählt werden können. Bereits im ersten Winter haben sich Wasserfledermäuse hier niedergelassen.

Gleich mehrere Fledermäuse haben sich hier in dem Stein zusammen gekuschelt.

Lange bevor Wilhelmshaven gegründet wurde, stand die Kirche St. Jakobi im damaligen Dorf Neuende. Bereits im frühen 13. Jahrhundert wurde diese Kirche gebaut. Sie gehört mit der Kirche von Sengwarden (vor 1168) und Fedderwarden (1250) zu den ältesten Kirchen im heutigen Wilhelmshaven.

St. Jakobi Kirche in Neuende

Der älteste Teil der Kirche wurde aus Findlingen gebaut.

Teile der Kirche sind aus Findlingen gebaut. Findlinge sind große Gesteinsbrocken, die während der Eiszeit von den Gletschern aus Skandinavien bis nach Norddeutschland transportiert wurden. Zusammen mit Sand wurden sie beispielsweise im Zentrum der ostfriesischen Halbinsel abgelagert. Die dadurch entstandene Landschaft wird Geest genannt. Von dort mussten die schweren Steine bis an die Küste transportiert werden. 

Verschiedene Gesteinsarten bilden das Fundament.

An einigen Stellen kann man auch noch Spuren entdecken, die Steinmetze bei der Bearbeitung der Steine hinterlassen haben.

Einbuchtungen an der Unterseite des mittleren Steines zeigen, wo der Stein gespalten wurde.

Als Mörtel verwendete man damals Muschelkalk, der aus Muschelschalen aus dem Watt gebrannt wurde. Man kann die Muschelreste noch heute erkennen.

Muschelkalk mit Wattenmeermuscheln 

Grabplatten erzählten früher aus dem Leben der Verstorbenen